Leben mit wenig Geld
Sparen in der Schweiz: günstige Lebensmittel, Lebensmittelabgaben, Secondhand und Brockis, Rabattplattformen und günstige ÖV-Angebote.
Die Schweiz ist ein teures Land — aber sparsam leben ist hier gut möglich: Es gibt Discounter und Budget-Eigenmarken der Supermärkte, Sozialläden und Lebensmittelabgaben, Secondhand-Läden, Rabattplattformen und günstige ÖV-Angebote. Unten finden Sie geprüfte Adressen und Tipps. Beachten Sie: Angebote und Bedingungen unterscheiden sich je nach Kanton und Stadt — prüfen Sie die Details immer vor Ort.
Lebensmittel: wo der Alltagseinkauf günstiger ist
Die tiefsten Preise für Produkte des täglichen Bedarfs bieten die Discounter Denner, Lidl und Aldi. In den grossen Supermärkten lohnen sich die Budget-Eigenmarken: «M-Budget» bei Migros und «Prix Garantie» bei Coop — sie sind oft halb so teuer wie Markenprodukte. Vergleichen Sie den Kilo- oder Literpreis auf dem Preisschild, nicht den Packungspreis.
Caritas-Markt: soziale Lebensmittelläden
In den Läden von Caritas-Markt kosten Lebensmittel und Alltagsprodukte bis zu 70% weniger. Es gibt über 20 solcher Läden in der Deutsch- und Westschweiz. Zum Einkaufen brauchen Sie eine KulturLegi.
KulturLegi: Rabatte bei kleinem Budget
Die KulturLegi ist ein persönlicher Ausweis der Caritas für Menschen am oder unter dem Existenzminimum: Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen zu AHV/IV, Stipendien oder einfach ein tiefes Einkommen. Sie gibt mindestens 30% Rabatt auf über 4 300 Angebote in der ganzen Schweiz: Sport, Kultur, Bildung, Gesundheit. Die Karte ist kostenlos (in einigen Kantonen ab dem zweiten Jahr für Erwachsene kostenpflichtig). Kriterien und Antragsverfahren unterscheiden sich je nach Kanton — wählen Sie Ihre Region auf der Website. Wenn Sie Sozialhilfe beziehen, finden Sie mehr dazu im Guide «Finanzielle Unterstützung».
Lebensmittelabgaben: gratis oder für einen symbolischen Betrag
In vielen Städten retten gemeinnützige Organisationen einwandfreie Lebensmittel vor der Vernichtung und geben sie an Menschen mit knappem Budget ab — gratis oder für wenige Franken.
- Tischlein deck dich — über 160 Abgabestellen in der ganzen Schweiz. Einmal pro Woche erhalten Sie für einen symbolischen Franken Lebensmittel entsprechend der Haushaltsgrösse. Nötig ist eine Kundenkarte — sie wird von Sozialdiensten und Beratungsstellen ausgestellt (rund 1 400 Stellen schweizweit); fragen Sie bei Ihrem Sozialdienst nach.
- Essen für Alle — verteilt samstags Lebensmittel und Hygieneartikel in Zürich, Seewen (SZ), Chur, Glarus und Biel/Bienne. Die einmalige Registrierung kostet 5 Franken; bringen Sie stabile Taschen und die Krankenkassenkarten (oder AHV-Nummern) aller Familienmitglieder mit. Das Angebot steht allen offen, unabhängig vom Aufenthaltsstatus.
- Abgabestellen organisieren auch Kirchen, Gemeinden und lokale Hilfswerke — fragen Sie beim Sozialdienst Ihrer Gemeinde nach der nächstgelegenen.
Initiativen gegen Food-Waste
- Too Good To Go — eine App, über die Restaurants, Bäckereien und Läden am Ende des Tages überschüssiges Essen zum halben Preis oder günstiger verkaufen. Sie kaufen ein «Überraschungspäckli» und holen es zur angegebenen Zeit ab.
- Madame Frigo — über 190 öffentliche Kühlschränke in der ganzen Schweiz: Wer überschüssige Lebensmittel hat, legt sie hinein; nehmen darf sie jede und jeder — gratis.
- Äss-Bar — «frisch von gestern»: Backwaren und Brot vom Vortag aus Partnerbäckereien zu tiefen Preisen, in mehreren Städten der Deutsch- und Westschweiz.
Kleider, Möbel und Hausrat: Secondhand und Brockis
Brockenhäuser («Brockis») sind Schweizer Secondhand-Läden für Gebrauchtes: Kleider, Möbel, Geschirr, Bücher, Elektronik. Viele werden von Hilfswerken betrieben — der Erlös fliesst in soziale Projekte, und gut erhaltene Sachen kosten ein Mehrfaches weniger als neu.
- brocki.ch — die Kette der Heilsarmee: 20 Brockis in der ganzen Schweiz mit je Zehntausenden Artikeln.
- HIOB — über 20 Secondhand-Läden, vor allem in der Deutschschweiz.
- Secondhand-Läden von Caritas und Rotem Kreuz gibt es in vielen Städten — fragen Sie bei der lokalen Stelle nach.
- Lokale Brockenhäuser finden Sie in fast jeder Stadt: suchen Sie nach «Brocki» + Ortsname.
GOSHA for Ukraine: Gratis-Sachen für Ukrainerinnen und Ukrainer
GOSHA for Ukraine ist eine Freiwilligenorganisation in Killwangen (Kanton Aargau), die Ukrainerinnen und Ukrainer in der Schweiz und in der Ukraine unterstützt. Im Free Shop (Rütihaldenstrasse 32, Killwangen) können Geflüchtete aus der Ukraine gratis Kleider und andere Sachen beziehen: Samstag 10:00–13:00, Montag 16:00–19:00. Die Freiwilligen vermitteln auch grosse Gegenstände und Möbel von Schweizer Spenderinnen und Spendern. Bei längerer Anreise: aktuelle Öffnungszeiten auf der Website prüfen.
Gratis-Sachen gibt es auch bei Abgabestellen von Kirchen und Gemeinden; es lohnt sich zudem, den ukrainischen Telegram- und Facebook-Gruppen Ihrer Region zu folgen — dort werden regelmässig Kleider, Möbel und Kindersachen verschenkt.
Inserate von Privatpersonen
Gebrauchtes zu guten Preisen finden Sie auf den Online-Inserateplattformen: Ricardo (Auktionen), tutti.ch, anibis.ch und Facebook Marketplace.
Achtung: Auf solchen Plattformen sind auch Betrüger unterwegs. Senden Sie nie Vorauszahlungen oder Bankdaten an Unbekannte — treffen Sie die Verkäufer persönlich und bezahlen Sie bei der Übergabe.
Rabattplattformen und Tagesangebote
Eine eigene Sparkategorie sind Deal-Plattformen, auf denen Markenprodukte, Reisen und Dienstleistungen mit grossen Rabatten verkauft werden:
- DeinDeal — bis zu 70% Rabatt auf Produkte, Reisen, Restaurants und Beauty-Angebote.
- QoQa — täglich mehrere neue Angebote: Technik, Wein, Sport, Kinderartikel.
- DayDeal.ch — der «Deal des Tages» von BRACK: jeden Tag um 9:00 Uhr ein neues Produkt mit grossem Rabatt, solange Vorrat.
Denken Sie daran: Ein Rabatt ist kein Grund, Unnötiges zu kaufen. Vergleichen Sie vor dem Kauf die Preise mit anderen Shops (z. B. über Preisvergleichsdienste) — der «Aktionspreis» ist nicht immer der tiefste.
Unterwegs: sparen mit der SBB
Der öffentliche Verkehr in der Schweiz ist teuer — mit dem richtigen Abo oder Billett zahlen Sie deutlich weniger:
- Halbtax — rund 50% Rabatt auf fast den ganzen öffentlichen Verkehr. Kostet 190 Franken im ersten Jahr, 170 bei der Verlängerung; für Jugendliche von 16–24 Jahren 120/100 Franken. Lohnt sich schon nach wenigen längeren Fahrten.
- GA Night — für junge Leute bis 25: 99 Franken pro Jahr, unbegrenzt Reisen in der 2. Klasse von 19:00 bis 5:00 Uhr (an Wochenenden und Feiertagen bis 7:00 Uhr).
- Sparbillette — Billette für eine bestimmte Verbindung mit bis zu 50% Rabatt. Verkauf ab 6 Monaten vor der Reise: je früher, desto günstiger. Das Billett gilt nur für die gewählte Verbindung.
- Spartageskarte — eine Tageskarte für die ganze Schweiz: ab 29 Franken mit Halbtax, ab 52 Franken ohne — bei früher Buchung (6 Monate bis 1 Tag im Voraus; je näher am Reisedatum, desto teurer).
- Spartageskarte Gemeinde — vergünstigte Tageskarten, die Gemeindeverwaltungen verkaufen: mit Halbtax ab 39 Franken, ohne ab 52. Das Kontingent pro Tag ist begrenzt, und nicht jede Gemeinde macht mit — fragen Sie bei Ihrer nach.
- Junior-Karte — 30 Franken pro Jahr: Ein Kind von 6–16 Jahren reist gratis zusammen mit einem Elternteil. Kinder unter 6 Jahren reisen immer gratis. Für Fahrten mit einer anderen Begleitperson (ab 16 Jahren) gibt es die Kinder-Mitfahrkarte.
Wer regelmässig in derselben Region unterwegs ist, sollte die Abos des lokalen Tarifverbunds vergleichen (z. B. ZVV in Zürich, Libero in Bern, unireso in Genf) — für tägliche Fahrten sind sie meist günstiger als Einzelbillette.
Hilfe bei der Budgetplanung
Budgetberatung Schweiz — eine unabhängige Non-Profit-Organisation mit über 60 Jahren Erfahrung: kostenlose Budgetvorlagen, Rechner, eine App und Beratung zu Ausgabenplanung und Schulden.
Quellen und nützliche Links
- Caritas-Markt
- KulturLegi (Caritas)
- Tischlein deck dich: Lebensmittel beziehen
- Essen für Alle
- Too Good To Go Schweiz
- Madame Frigo
- Äss-Bar
- brocki.ch (Heilsarmee)
- HIOB Secondhand
- GOSHA for Ukraine
- SBB: Halbtax
- SBB: GA Night
- SBB: Sparbillette
- SBB: Spartageskarte
- SBB: Spartageskarte Gemeinde
- SBB: Junior-Karte und Kinder-Mitfahrkarte
- Budgetberatung Schweiz